Mehrjahresvisa

Besuchsvisa für mehrere Jahre

Es hat eine Weile gedauert, aber inzwischen hat man auch im Auswärtigen Amt erkannt, dass man der zunehmenden Antragsflut in den Visastellen besser begegnet, indem man zuverlässigen Reisenden Visa für mehrere Jahre erteilt, mit denen sie sich dann besuchsweise mehrmals bis zu maximal 90 Tagen pro Halbjahr im Schengen-Raum aufhalten können.

Der EU-Visakodex sieht solche Visa mit Geltungsdauer von bis zu fünf Jahren ausdrücklich für Personen vor, die aus familiären Gründen zu häufigen und/oder regelmäßigen Reisen gezwungen sind. Das gilt natürlich besonders für enge Familienangehörige. Sei sind der Formulierung nach ausdrücklich nicht nur für häufige Reisen vorgesehen, sondern auch für regelmäßige Reisen in größeren Abständen, etwa den jährlichen Besuch der Oma zu Weihnachten.

Wer wann und unter welchen Voraussetzungen solche Visa erhalten soll, dazu gibt es mehrere Erlasse aus dem Auswärtigen Amt (siehe z.B. Visahandbuch). Recht beachtlich ist jedoch ein recht frischer Erlass aus dem hohen Hause, welcher in Ziff. 6 nochmals deutlich auf die Vergabe solcher Visa hinweist.

Seine Zuverlässigkeit weist man vor allem durch einzelne Vorreisen nach. Je nach Einzellfall kann auch bereits eine Vorreise ausreichen. Bereits das zweite Visum kann eines für fünf Jahre sein, der Erlass weist ausdrücklich darauf hin, dass ein stufenweises „Hochdienen“ über Ein-, Zwei- und Dreijahresvisa dafür nicht erforderlich ist.

Nachweise über die erfolgten Reisen sollte man möglichst akribisch führen. Meist genügen dafür Kopien des Reisepasses mit Aus- und Einreisestempeln. Die sollte man unbedingt sofort anfertigen und sicher verwahren. Pässe können verlorengehen. Die Visastellen löschen die Visumsakten nach einem Jahr, im Falle der Visumserteilung nach fünf Jahren. Außerdem kann damit nicht nachgewiesen werden, dass die Reise(n) tatsächlich statt gefunden haben. Das geht nur mit den Stempeln, Fahrkarten, Flugtickets und Bordkarte und dergleichen. Kurz: Man muss mit deutscher Gründlichkeit alles über die Besuche der Angehörigen gut dokumentieren.

Neben der generellen Zuverlässigkeit anhand von Vorreisen müssen bestimmte andere Dinge wie etwa Krankenversicherung und Reisefinanzierung (Verpflichtungserklärung) nur für die konkret geplante Reise nachgewiesen werden, für die man das Visum beantragt.

In der Praxis gibt es immer wieder Schwierigkeiten mit dem richtigen Ausfüllen des Antrages. An vielen Visumstellen weiß man auch nicht, wie es richtig geht. Wichtig ist jedenfalls, dass man im Feld „Zahl der Einreisen“ (Nr. 24) möglichst dick und deutlich „Mehrfach“. Das folgende Feld Nr. 25 „Dauer des geplanten Aufenthaltes“ (Nr. 25) dient aber nicht etwa dazu, etwas zur langfristigen Planung einzutragen. Hier kommen wiederum nur die Daten für die konkret anstehende Reise rein. Die Angaben müssen mit den sonstigen Angaben und vorgelegten Dokumenten z.B. nachweis über den Urlaub, die Krankenversicherung etc. übereinstimmen.

Es ist nicht vorgesehen, dass man im Antrag angibt, wie lange das Visum gelten soll. Das muss sich nämlich nicht mit der beabsichtigten Reise decken. Auch nicht bei einfachen Visa, wo einen Zusatzfrist gewährt werden soll (siehe Beitrag Krankenversicherung). Es ist Sache der jeweiligen Vertretung, die Geltungsdauer festzulegen, bei Mehrfachvisa zwischen 6 Monaten und fünf Jahren. Eine Angabe dazu ist im Grunde sinnlos, weil sie dem Entscheider im Grunde nichts nützt. Dennoch sollte man irgendwo um das Feld 25 herum einen deutlichen Vermerk „Bitte Mehrjahresvisum prüfen! Siehe Vorreisen!“ oder ähnliches. Der Hintergrund ist, dass das Kreuzchen gern in der Hecktik (die haben für einen Antrag nur wenige Minuten Zeit) gern übersehen wird. Außerdem macht das Prüfen eines Mehrjahresvisums mehr Arbeit. Hinterher heißt es dann: „Wir haben ja Beurteilungsspielraum“, obwohl sie gar nichts beurteilt haben, sondern Augen zu und durch den Weg der geringsten Arbeit genommen haben.

Es empfiehlt sich auch, zusätzlich ein formloses Schreiben der Gastgeber/Angehörigen zu verfassen und darin die familiäre Situation zu schildern, kurz zu begründen, warum regelmäßige Besuche erforderlich sind — gern genommen Unterstützung bei der Betreuung der (Enkel)Kinder, mehrsprachige Erziehung etc. — und um Erteilung eines entsprechenden Visums zu bitten. Dieses Schreiben legt man dem Antrag bei und besteht darauf, dass es mit berücksichtigt wird. (Manchmal lehnen die Schalterkräfte soetwas ab, „brauchen wir nicht“, dann muss .)

Man muss keine Angst haben, ein Visum gar nicht zu bekommen, nur weil man einen Antrag für fünf Jahre stellt. Eine vollständige Ablehnung kann damit nicht begründet werden und ich habe es auch noch nicht erlebt. Dass trotzdem nur ein einfaches Visum erteilt wird oder jedenfalls ein kürzeres, für zwei oder drei Jahre, damit muss man rechnen — aber das sollte ja nicht an dem Versuch hindern.

In solchen Fällen sollte man sich aber bei der Visumsstelle nach den Gründen erkundigen und eventuell Rat bei uns einholen. Wir sind speziell auf diesem Gebiet naturgemäß sehr erfahren.