Au-Pair-Visa

Darf man eine(n) Familienangehörige(n) als Au-pair bei sich aufnehmen?

Da das Thema etwas komplexer ist, widme ich ihm hier eine eigene Seite.

„Wer in Dorfe oder Stadt einen Onkel wohnen hat, der sei höflich und bescheiden, denn das mag der Onkel leiden „, beginnt der vierte Streich von Max und Moritz bei Wilhelm Busch. Noch besser ist es natürlich, wenn man einen Onkel im Ausland hat, den man besuchen kann. Auf diese Weise lernt man eine Sprache und ein anders Land nebst seinen Sitten und Gebräuchen kennen, ohne ganz in die Fremde zu müssen, denn der Onkel — es darf gern auch eine Tante sein — nehmen einen ja herzlich auf und bieten ein Zuhause in der Fremde. Nach dem Abi, vor dem Studium, oder auch danach, bleibt man dann mal ein wenig länger dort, hilft den Verwandten im Haushalt und vertieft seine Sprachkenntnisse.

Das wäre doch etwas auch für junge Leute, die keine Verwandten im Ausland haben, dachten sich kluge Leute. Die Jugendlichen könnten sich ein wenig bei fremden Gasteltern nützlich machen und dafür auf Gegenseitigkeit (Französisch: au pair) bei freier Kost und Logis Sprache und Kultur des Gastlandes kennen lernen — ganz so wie wir bei unserem Onkel. Die Staaten sollen diese nützliche Form des Jugendaustausches fördern, dafür gibt es eigens seit 1969 ein internationales Abkommen. Das hat die Bundesrepublik zwar nicht ratifiziert, aber immerhin ist es unterzeichnet und wird angewandt.

Wer sollte also etwas gegen die gute alte Tradition haben, dass man junge Leute nach dem Schulabschluss für etwa ein Jahr zu Verwandten ins Ausland schickt, so man denn in der glücklichen Lage ist, solche zu haben? Kenner der Materie werden es ahnen: Im Falle Deutschlands sind es die Behörden. Schließlich dürfen Ausländer hier nicht ohne Weiteres beschäftigt werden, und die Haushaltshilfe und Kinderbetreuung, die die Au-pairs leisten, ist eine Beschäftigung. Dafür haben wir in Deutschland eine Beschäftigungsverordnung, wir sind ja keine Bananenrepublik. Die regelt, wann die Bundesagentur für Arbeit (BA) der Beschäftigung von Ausländern zustimmen kann. Zum Au-pair heißt es in § 20:

Die Zustimmung kann zu einem Aufenthaltstitel für Personen mit Grundkenntnissen der deutschen Sprache erteilt werden, die unter 25 Jahre alt sind und in einer Familie, in der Deutsch als Muttersprache gesprochen wird, bis zu einem Jahr als Au pair beschäftigt werden.

Grundkenntnisse hat die Nichte schon erworben, also kein Problem. Doch, denn natürlich haben die Bürokraten von der Mamutbehörde „Bundesagentur“ auch eine Durchführungsbestimmung zur Beschäftigungsverordnung erlassen. Und dort heißt es:

(4) Auf Mitteilung des BMI soll keine Au-pair Beschäftigung zugelassen werden, wenn bekannt ist, dass zwischen der Gastfamilie und dem Au-pair ein Verwandtschaftsverhältnis besteht. Dadurch soll verhindert werden, dass die Familiennachzugsbestimmungen auf diesem Wege aufgeweicht werden. Zudem besteht die Befürchtung, dass nicht der Aufenthaltszweck (Weiterbildung in der deutschen Sprache, Erweiterung der Kenntnisse über das Gastland) im Vordergrund steht, sondern die Pflege familiärer Beziehungen.

Aha.

Ich habe die BA gebeten, diesen überflüssigen Passus zu streichen. Die Antwort ist weitgehend nichtssagend. Entscheidend ist die Aussage:

Da es sich bei der von Ihnen zitierten Textpassage um eine sogenannte „Sollbestimmung“ handelt, ist es der Arbeitsagentur in konkret begründeten Einzelfällen möglich, eine Au-pair-Beschäftigung in einer verwandten Gastfamilie zuzulassen (Mail der BA vom 31.03.2008 Az: KR/III-96464).

Etwas Ähnliches findet sich im Visumshandbuch des Auswärtigen Amtes (AA). Dort heißt es:

Eine Au-pair-Beschäftigung in Familien, die in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zum Aupair stehen, kommt wegen Zweifeln am Aufenthaltszweck bzw. zur Verhinderung der Umgehung der Familiennachzugsbestimmungen grundsätzlich nicht in Betracht. Ausnahmen kann die BA zulassen, wenn die Gasteltern nachweisen, dass Ziel und Zweck des Au-pair- Aufenthalts nicht gefährdet sind. (Az. 520.16 Anlage 4 zum Visumshandbuch)

Immerhin. Allerdings wissen weder BA noch AA, was sie eigentlich unter „Verwandtschaftsverhältnis“ verstanden wissen wollen. Verwandt sind wir alle miteinander. Die Frage ist, wie weitläufig. Was bei Au-pair gelten soll, wissen die Verwaltungsjuristen beider Bundesbehörden nicht zu sagen. Wer ein Au-pair aus der Verwandtschaft aufnehmen will, sieht sich also mit der Frage konfrontiert, dass er nicht weis, was er bei der Frage „Der / Die vorgesehene Au-pair-Beschäftigte ist mit den Gasteltern verwandt“ im Fragebogen für Gasteltern der BA ankreuzen soll. Soll man bei entfernten Verwandten „Ja“ ankreuzen, wo man sich sicher sein kann, dass der Antrag dann abgelehnt wird? Man muss dann nachweisen, dass im eigenen Hause ganz überwiegend Deutsch gesprochen wird, vor allem mit den Kindern, dass das Au-pair nicht zu lange mit Kinderbetreuung beschäftigt wird usw, usf, alles, was man sonst als selbstverständlich voraussetzt, davon muss man dann eine nicht sonderlich entgegenkommende Behörde, einen Beamten überzeugen. Der muss das im Zweifel verantworten, und warum soll er für etwas gerade stehen, wenn er den Antrag doch mit Hinweis auf die Vorgaben aus seinen Dienstanweisungen einfach ablehnen kann, ohne Vorwürfe seitens seiner Vorgesetzten befürchten zu müssen. Ohne Beschwerden und Eingaben wird das kaum abgehen.

Im Übrigen legen die amtlichen Formulierungen nahe, dass eigentlich nur eine Verwandtschaft gerader Linie, also zwischen Eltern und Kinder, Großeltern und Enkeln gemeint sein kann. Denn für andere, für Verwandte in der Seitenlinie, existieren gar keine Familiennachzugsregeln, die „aufgeweicht“ werden könnten. Außerdem setzen die Behörden ihren Formulierungen nach nicht nur die Existenz einer Verwandtschaft, sondern eines „verwandtschaftlichen Verhältnisses“ voraus. Wer den Neffen oder die Nichte bisher nur ein, zwei Mal mehr oder minder zufällig bei Besuchen im Ausland kurz getroffen hat, hat noch kein „verwandtschaftliches Verhältnis“. Hier kann man also „Nein“ ankreuzen, sofern man nicht befürchten muss, dass die Behörden die Verwandtschaft aus ihren Akten oder Dateien kennen. Wenn das ohnehin zu befürchten ist, dann bleibt nur der Weg, es durchzudrücken, indem man direkt auf die zuständige Behörde zugeht. Das ist hier:

Service -Haus der BA, Kundenreaktionsmanagement
Tel. 0911 / 1793816
FAX 0911 / 1792123
FAXBOX 0911 / 179-903891
Mail: Service-Haus.Kundenreaktionsmanagement@arbeitsagentur.de

Dabei berufe man sich auf die hier zitierten Ausnahmebestimmungen und lege der BA möglichst ausführlich dar, warum sie hier eine Ausnahme machen soll. Bitte mit Kopie an mich.

Informationen der Bundesagentur für Arbeit

für Gasteltern

für Au-pair-Beschäftigte

Au-pair-Vertrag

Erklärung des Au-pair

Fragebogen für Gasteltern

Internationale Begegnungen und Auslandsaufenthalte für junge Leute